Es gibt so Gadgets, um die schleicht man Ewigkeiten herum und überlegt, ob man sie denn bräuchte, und wofür und überhaupt. Kauft man sie dann, passiert es meist im Affekt – das Angebot war einfach so gut! In meinem Fall waren es die Yiaomi Yeelights in der RGB-Ausführung als einfache E27 „Glühbirnen“. Ewig im Hinterkopf behalten mal solche LEDs zuzulegen, den Ausschlag gab dann am Ende ein, in dem es die RGB-Version für schlanke 15 Euro inkl. Versand gab. Da war die Bestellung dann irgendwie schon aufgegeben, bevor ich wirklich drüber nachgedacht hab…

Fangen wir von vorne an: Die Yeelights von Xiaomi sind WLAN-Fähige „Smart“-LEDs, die per Smartphone App gesteuert werden können. Derzeit gibt es sie in Weiß (dimmbar, Farbtemperatur regelbar) und RGB (dimmbar, bis zu 16 Mio Farben einstellbar) und nur mit E27 Fassung. Die Lieferung kam übrigens ziemlich schnell: Keine Woche nach Bestellung lagen die LEDs im Büro. Wenig spektakulär ist die Verpackung: Weißer Karton, ein paar Aufkleber mit dem Typenschild und im inneren die LED samt vollständig in Chinesisch gehaltener Anleitung. Die Anleitung braucht man aber auch nicht wirklich, die App genügt.

Zur Montage muss ich wohl nichts weiter schreiben: Altes Leuchtmittel raus, neue LED rein (ggf. mit Adapter), Licht einschalten, fertig. Bei der Hardware gibts auch nicht viel zu sagen. Der Korpus ist aus Aluminium, die Verarbeitung passt. Wirkliche Patzer konnte ich hier nicht entdecken. Ein E14 auf E27 Adapter funktionierte in zwei IKEA-Lampen übrigens problemlos, auch wenn es dadurch etwas Eng im Lampenschirm wurde. Die Einrichtung erfolgt dann über die App.

Inkl. E14-Adapter

Wo wir bei der Einrichtung sind: Benötigt wird die App „Yeelights“ oder „MiHome“ aus dem Playstore. Über den QR-Code in der Anleitung kann die Yeelights App ebenfalls heruntergeladen werden – dann allerdings als APK von einem Chinesischen Server. Der Weg über den Playstore ist da wohl der bessere.

Yeelight
Yeelight
Entwickler: Yeelink
Preis: Kostenlos

Man braucht in jedem Fall dann auch einen Xiaomi Account, bei mir war er durch MiBand und MiScale bereits vorhanden. Wer einen anlegen will sollte darauf achten, dass deutsche Mailadressen in den meisten Fällen nicht funktionieren. GMail funktioniert besser, aber auch nicht immer. Falls auch Gmail nicht geht bietet sich eine Wegwerfadresse bei Mail.ru oder die Handynummer an. Beides funktionierte bei mir dann problemlos.

Auch in der weiteren Einrichtung der App gab es ein paar Stolpersteine. Wer IFTTT zusätzlich einsetzen will – Spoiler: Wollt ihr. Wirklich. – muss darauf achten als Server Singapur und nicht Mainland China zu wählen. Andernfalls funktioniert IFTTT schlicht gar nicht.

Ist das alles erledigt geht die Einrichtung einfach von der Hand. Die LEDs werden unter „Add Device“ aufgeführt und können so dem eigenen Netzwerk hinzugefügt werden. Dafür gibt man bei der ersten LED die WLAN-Informationen ein, bei den weiteren LED merkt sich die App dann die Logindaten. Ich habe dafür ein eigenes WLAN-Gastnetz eröffnet, ohne Zugriff auf das NAS und andere Netzwerkgeräte. Man weiß ja nie.

Nun können in der App Gruppen und Szenarien erstellt werden. Viel mehr kann die App dann aber auch schon nicht. Ein Widget ermöglicht den Zugriff auf die einzelnen LED und die angelegten Gruppen, aber ein Schnellzugriff auf die erstellten Szenarien ist nicht möglich. Trotzdem sind die Szenarien das wohl wichtigste Feature. Die Gruppen dagegen habe ich zwar erstellt, aber wirklich benutzen tue ich sie nicht.

Kürzlich gab es auch ein Update für die Szenarien, die das Anlegen deutlich vereinfacht. Zuvor musste jede LED im Szenario erst noch separat konfiguriert werden, jetzt können einfach mehrere LED zusammengefasst werden und der aktuelle Zustand als Szenario gespeichert werden. Das funktioniert soweit gut, auch die vorgefertigten Szenarien sind gut und schnell auf die ausgewählten LED angewandt und gespeichert. Für mich letztlich ist genau das aber der wichtigste Aspekt der App – zum Warum kommen wir später.

Alles in Allem ist die App zwar gut gemeint, aber es fehlt einfach sehr, sehr viel. Angefangen beim fehlenden Widget oder Schnellzugriff auf die Szenarien bis hin zu Timern, die einfach mal komplett fehlen. Auch die technische Umsetzung ist eher Mittelmäßig. Es gibt einen deutlichen Lag zwischen LEDs und App, teilweise brauchte die App mehrere Minuten, um den aktuellen Status der einzelnen LED richtig anzuzeigen. Schalten ging in der Zeit zwar trotzdem, aber man musste sich eben noch ganz klassisch vom derzeitigen Zustand der jeweiligen LED überzeugen. Auch zwischen betätigen einer Aktion in der App und Reaktion der LED vergehen ein paar Sekunden. Wirklich gestört hat mich das letztlich nicht, denn die App diente bei mir nur noch dazu, die Szenarios zu verwalten. Den Rest übernehmen IFTTT und Apilio für mich. Aber das ist ein längeres Thema und einen eigenen Beitrag wert.

In Kurz: IFTTT ermöglicht es, einfache Trigger als Widget zu erstellen, um einzelne Lampen zu schalten oder eben Szenarios auszuwählen. So konnte ich mir einen einfachen Switch für meine Nachttischlampe anlegen, der Bei Knopfdruck die Lampe ein- oder ausschaltet. Zwei weitere Widgets steuern das Licht im Wohnzimmer (an) oder in der ganzen Wohnung (aus). Das funktioniert soweit gut, es ist aber noch deutlich mehr möglich. Per automatischem Trigger geht zum Beispiel bei Sonnenuntergang das Licht an, aber auch nur, wenn ich zuhause bin. Schon ne nette Spielerei.

Oh und nebenbei: Die Yeelight LEDs bieten auch Amazon Alexa Unterstützung – ihr könnt sie also auch per Sprache über den Echo oder Echo Dot steuern.

Einfach ist dagegen die Einstellung von Lichtfarbe und -temperatur. Dafür wählt man einfach die gewünschte Lampe oder Gruppe aus und kann hier dann zwischen den Modi „Hue“, „White“ und „Flow“ wählen. Im Hue-Modus kann die Farbe frei gewählt werden und im White-Modus die Farbtemperatur. Das ganze funktioniert einfach durch Swype-Gesten. Wischt man von links nach rechts oder umgedreht stellt man die Farbe bzw. Temperatur ein, hoch und runter wischen stellt die Helligkeit ein. Wer es bunt mag kann sich dann im Flow-Modus voll austoben. Hier wechselt die Farbe der ausgewählten LED regelmäßig zwischen vorgegebenen Farbtönen. Blöd ist letztlich nur eine „Altagsfarbe“ festzulegen. Ein schönes Warmweiß zu treffen ist mit den etwas ungenauen Schiebereglern nicht so einfach.

Möglich ist es auch, über die App eine Farbe über die Kamera zu „scannen“, sodass die LED sich dann auf diese Farbe einstellen. Klappte im Test nicht immer problemlos, teilweise wurden die Farben falsch dargestellt oder einfach direkt falsch erkannt oder anders Interpretiert – scannt man beispielsweise schwarz, entscheidet sich die App dann halt einfach für eine dunkle Farbe – mal Blau, mal Violett, das Ergebnis war bei jedem Scan ein anderes. Schwarz zu scannen war aber eventuell auch nicht der beste Test ;).

Die Hitzeentwicklung hält sich in Grenzen und ich kann keinen Unterschied zu meinen „normalen“ OSRAM und Philips LED feststellen. Einzig der erhöhte Platzbedarf kann unter Umständen kritisch werden, wenn man die LED in eine Lampe mit kleinem Schirm einsetzen will.

Tl:Dr

Insgesamt bin ich mit der spontanen Anschaffung zufrieden. Die Farbdarstellung ist gut, die Optionen vielseitig, sie haben überall dort gepasst wo ich sie haben wollte und die App ist zumindest ok und für das nötigste nutzbar.

Die App selbst ist dann aber auch der größte Schwachpunkt. Ohne Erweiterung mittels IFTTT wäre ich wohl schon ziemlich genervt, da für mich wichtige Funktionen einfach fehlen – allen voran die Option, ein Szenario mittels Widget oder Shortcut zu starten. Sich immer durch die App hangeln zu müssen, um die richtige Beleuchtung einzustellen, ist da schon ziemlich nervig weil umständlich.

Dann ist da noch die Frage der Sicherheit. Wie gut ist das Ganze von außen abgesichert oder bin ich ggf. sogar schon Teil eines Botnets? Mangels Fachwissen hinsichtlich der Sicherheitsstufe kann ich diese leider nicht beurteilen. Immerhin setzt die Verbindung immer ein Passwort voraus, da sie an einen Account gekoppelt ist – ein komplett offenes System, wie es ja schon bei diversen anderen China-Herstellern vorkam, holt man sich also nicht ins Haus.

Die Yeelights gibt es übrigens nicht beim üblichen Elektronik-Händler des Vertrauens, sondern nur bei Asia-Importeueren wie Gearbest, Aliexpress, Banggood, usw. Probleme hatte ich da bislang aber noch nie, mal davon abgesehen, dass Lieferungen auch gerne mal drei oder vier Wochen brauchen können.

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Über den Autor

30, aus Berlin, Nerd, Gelegenheitsgamer, Audiophil. PCs, Smartphones, Audio-Equipment und Displays sind meine Welt, wenn ich nicht gerade eine Platte auflege. Ansonsten treibe ich mich auch gerne mal auf Craft Beer Events rum.

2 Kommentare

    • Sorry, sehs jetzt erst. Alexa klappt, jau. Konnte es allerdings mangels Echo selbst noch nicht testen – Skill ist aber vorhanden und laut Bekannten funktioniert es auch problemlos.

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